Je früher sie erste Anzeichen einer Beziehungskrise erkennen, umso grösser ist die Chance ihre Beziehung zu retten. Das Bewusstwerden der Defizite ist der erste Schritt, die Veränderung der nicht zufriedenstellenden Aspekte der Partnerschaft ein zweiter.
Viele Trennungen und Scheidungen könnten verhindert werden, wenn Paare frühzeitig Alarmsignale der Beziehungskrise erkennen und darauf reagieren würden. Eine Trennung ist meistens der Schlusspunkt einer länger andauernden Beziehungskrise. Der Mann oder die Frau haben sich in der Regel über Monate oder Jahre hinweg auseinander gelebt. Ihre Beziehung ist langsam immer mehr abgeflacht. Oft hat man sich meist schon längere Zeit vom Partner entfernt, ohne dass dieser etwas davon mitbekommen hätte. Folgende Erläuterungen können helfen eine Beziehungskrise zu erkennen:
Nachlassende Unterstützung
Der Partner scheint egoistischer, zieht sich von familiären
Verpflichtungen und Alltags-
à Sprechen sie Ihren Partner freundlich darauf an, indem sie ihm ihre Beobachtungen
offen kommunizieren (habe ich das richtig wahrgenommen, dass du Zuhause oft energielos
bist, jedoch nicht so ausserhalb?). Teilen sie ihrem Partner deutlich und liebevoll
mit, dass ihnen die gegenseitige Unterstützung wichtig scheint. Warten sie nicht
zu lange und sprechen sie die Thematik an, ehe die Arbeitsteilung zur Gewohnheit
wird und ein Ungleichgewicht eintritt, worunter Ihre Beziehung sehr leiden kann.
Nachlassender
Respekt
Nachlassender Respekt kann sich darin äussern, dass der eine Partner über
den anderen vor Freunden etc. schlecht redet oder sich lustig macht über ihn. Seine
vermeintlichen Fehler werden nicht lösungsorientiert andiskutiert, sondern lediglich
als schlecht betitelt. Ebenfalls ist man wenig einfühlsam und interessiert hinsichtlich
der Befindlichkeit des Partners. Ein Nachfragen und Eingehen auf Sorgen und Probleme
des Partners kommt nur noch sehr selten vor. Stattdessen fehlt es an einer förderlichen
Kommunikation: man redet "von oben herab", man schneidet dem Partner das Wort ab,
unterbricht ihn, korrigiert ihn ständig, wird laut, kritisiert ihn mehr als früher,
etc.
à Teilen sie ihrem Partner mit, dass sie sich nicht gut fühlen, wenn er so mit einem
redet. Verdeutlichen sie ihm, dass ein solches Verhalten als sehr verletzend empfunden
wird, als Herabsetzung ihrer Person. Versuchen sie herauszufinden, was hinter diesem
Verhalten steckt: Fühlt er sich von ihnen ebenfalls schlecht oder ungerecht behandelt?
Gibt es Probleme in der Rollenverteilung? Fühlt er sich vielleicht von ihnen vernachlässigt?
Fehlt es ihm an Nähe und Sexualität? Oder aber hat er ebenfalls das Gefühl, respektlos
behandelt zu werden?
Fehlende oder negative Kommunikation
Ist es so, dass der Partner
nicht mehr –oder deutlich weniger als früher-
Empfinden sie, dass der Partner sich nicht mehr für ihr Leben und ihre
Sorgen interessiert.
Im Gegenteil, sie erleben ihren Partner häufig gereizt, unnahbar,
unfreundlich bis lieblos.
Kann es sein, dass es häufig vermehrt Streit gibt, jedoch
danach keine Aussprache, keine Lösung der Problematik und daher auch keine Versöhnung.
Oder
ist es so, dass sie gar keine gemeinsamen Gespräche und keine Konflikte mehr führen.
Beide Partner verfolgen ihre eigenen Ziele und Alltagspflichten und schweigen sich
an. Sie einander sozusagen nichts mehr zu sagen haben.
Es ist eine Tatsache, dass
die Bedürfnisse nach Kommunikation in der Partnerschaft oftmals unterschiedlich sind.
Frauen haben vermehrt das Bedürfnis, über Probleme zu sprechen und ihre Gefühle mitzuteilen.
Wichtig ist ein guter Mix zu finden, zwischen Austausch und persönlichem Freiraum.
Kleine persönliche Geheimnisse sind für die Partnerschaft förderlich, jedoch nicht
ein Aufbau der eigenen Welt und das hauptsächliche (Mit-
à Liebe hat definitiv nichts mit Gedankenlesen zu tun. Viel zu oft interpretieren
wir verbale und nonverbale Aussagen des Partners und verfehlen die eigentlich gesendete
Botschaft. Um dem Partner nahe zu sein, sollten wir dessen Sichtweise und Gefühle
kennen. Wenn sich der Partner zurückzieht, sollten wir die Ursache dieses Rückzugs
ergründen. Zieht er sich aus persönlichen Gründen oder aber partnerschaftlichen zurück?
Um uns in der Partnerschaft wohlzufühlen, benötigen wir das Gefühl, dass wir wichtig
sind für den Partner und dieser Anteil an unserem Leben nimmt. Will er nichts mehr
von uns wissen, fühlen wir uns abgelehnt, missachtet, ungeliebt.
Konflikte sind in
einer Partnerschaft notwendig und gehören zur Realität. Es haben sich zwei Individuen
getroffen und gefunden, welche unterschiedliche Erfahrungen, Wünsche und Bedürfnisse
besitzen. Arten ihre Konflikte häufig in Machtkämpfe aus (wer hat recht) oder empfinden
sie ihre Kommunikation als oberflächlich und monoton? Ist es so, dass sie sich die
meiste Zeit anschweigen und eher nebeneinander statt miteinander leben? Warten sie
nicht zu und suchen sie eine professionelle Beratung auf, denn dann sind sie kurz
vor oder bereits mitten in einer Beziehungskrise.
Emotionale Erpressung
Wenn du nicht ...., dann wirst du schon sehen, was du davon
hast. D.h. der Partner macht seine Liebe und Zuneigung davon abhängig, dass Sie nach
seinen Vorstellungen und Wünschen tanzen. Er gibt ihnen zu verstehen, dass sie sich
seine Liebe und Anerkennung verdienen müssen. Vielleicht geht der Partner aber auch
subtiler vor: er sagt nicht direkt, was er verlangt, sondern wirft ihnen vor, egoistisch
oder rücksichtslos zu sein. Er sagt des öfteren weiter, dass er sich ganz alleine
um bisher gemeinsam getragene Tätigkeiten kümmert und sie nichts tun. Er will ihnen
Schuldgefühle machen und sie so erpressen, bzw. hörig machen. Emotionale Erpressung
führt auf Dauer zum Tod einer Beziehung.
Auch hier heisst es, miteinander kommunizieren.
Kann es sein, dass ihr Partner das Gefühl hat, zu kurz zu kommen? Kann es sein, dass
er sich ausgenutzt und nicht genügend respektiert fühlt? Kann es sein, dass er den
Eindruck hat, mehr für die Beziehung zu tun, als sie?
Fehlende Anerkennung
Fast alle
Menschen gehen eine Partnerschaft ein, weil sie Liebe, Verständnis, Unterstützung
und Anerkennung suchen. Wir wollen das Gefühl haben, geliebt zu werden und als liebenswert
zu erscheinen.
Kann es sein, dass ihr Partner sie nicht respektiert? Ihre Wünsche, Bedürfnisse nicht genug beachtet und ihre positiven Seiten nicht mehr sieht. Haben sie das Gefühl, dass er sie zu einer anderen Person machen will als dass sie waren und sind? Fühlen sie sich selber nicht geschätzt, nicht gehört und freuen sich nicht mehr auf ihren Partner. Haben sie pauschal das Gefühl, dass die Partnerschaft sie eher Energie kostet, als Energie und Lebensfreude spendet?
Wenn ein oder beide Partner ihren Blick nur noch auf das richteten, was ihm nicht gefällt, sehr häufig Kritik im Raum steht, schwindet die Anerkennung und auch die Liebe. Das Ziel, den Partner ändern zu können, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Gemäss psychologischen Erkenntnissen besteht nur 2 % Veränderungspotential. Eine Partnerschaft darf und soll an die Weiterentwicklung des Partners denken, nicht jedoch diese als Ziel haben.
à Reflektieren sie ihre eigenen Erwartungen. Ist es so, dass sie vielleicht zu viel
erwarten? Suchen sie nach der bedingungslosen Liebe, der totalen Unterstützung, der
vollkommenen Anerkennung? Ein Gefühl des Verstandenwerdens, der Akzeptanz, der Nähe
muss auf jeden Fall vorhanden, sein, eine bedingungslose, überaus romantische, sich
ohne-
Die Basis für eine gelingende Partnerschaft muss sein, dass wir uns generell als Person akzeptiert fühlen, auch wenn einige unserer Eigenheiten dem Partner nicht oder nicht mehr gefallen.
Rituale und gemeinsame Aktivitäten fehlen
Sicherlich sollte in einer Partnerschaft
genügend Freiraum bestehen, in welchem jeder Partner seine eigenen Interessen verfolgen
kann. Die Idee, alles ständig zusammen machen zu müssen kann eine Beziehung als uninteressant
und einengend erscheinen lassen. Die Beziehung erflacht emotional, weil wir einander
auch keine neuen Erfahrungen ausserhalb der Beziehung gestatten. Daneben sollten
wir jedoch auch gemeinsame Aktivitäten und Rituale pflegen. Weil ein Partner plötzlich
kein Interesse mehr daran hat, gemeinsam etwas zu unternehmen kann dies Ausdruck
einer Krise sein. Suchen sie das Gespräch mit ihrem Partner, was dieser für Aktivitäten
gerne ausüben würde? Was stimmt nicht mehr an den bereits bekannten etc.?
Nachlassendes sexuelles Interesse
Das Bedürfnis nach Sexualität ist im Laufe jedes
einzelnen Individuums unterschiedlich. Sex ist daher phasenweise für einen oder beide
Partner (meistens nicht zeitgleich und daher mit Konfliktpotenzial behaftet) mal
mehr, mal weniger wichtig. Zärtlichkeit und körperliche Nähe sind jedoch ein wichtiger
Bestandteil einer Beziehung. Wenn wir darauf verzichten, uns liebevoll zu begegnen,
uns in die Arme zu nehmen, um uns geborgen zu fühlen, führt dies meist zu einer emotionalen
Distanz und ist als Anzeichen für eine Entfremdung zu deuten. Nicht selten endet
dies in einer Affäre oder einem Seitensprung, weil das Bedürfnis nach körperlicher
Nähe doch zu den Grundbedürfnissen jedes Menschens gehört. Versuchen sie ihr Interesse
an Nähe, Zärtlichkeit und Sexualität herauszufinden und vergleichen sie es mit dem
aktuellen Zustand. Falls sie eine Diskrepanz feststellen sollten, versuchen sie das
Thema mit ihrem Partner zu diskutieren.
Versuchen sie sich klar zu werden, was ihnen in der Beziehung fehlt und was für sie wichtig wäre (Bedürfnisklärung). Je mehr unbefriedigende Situationen und Verhaltensweisen sie finden, desto mehr Alarmzeichen stellen diese dar. Die Gefahr, dass sie sich auseinandergelebt und unglücklich fühlen ist dann sehr gross. Versuchen sie den Zeitpunkt zu nutzen, um wesentliche Punkte anzusprechen und ggf. externe Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Nachfolgende Punkte charakterisieren Beziehungsschwierigkeiten:
1. Haben sie das Gefühl es bestehe ein Kommunikationsproblem? Schweigt ihr Partner
des öfteren oder arten Konflikte aus? Versuchen sie ihre Gefühle und Wünsche in der
"Ich-
4. Erleben sie ihre Sexualität nicht mehr als
lustvoll oder fehlt die Lust gänzlich auf Sex? Suchen sie das Gespräch mit ihrem
Partner und diskutieren sie gemeinsam über die Ursachen: Nehmen sie sich zu wenig
Zeit für ihre Sexualität? Kennen sie ihre sexuellen Wünsche nicht? Oder liegt es
an der generellen Unzufriedenheit in der Partnerschaft, an unrealistischen Erwartungen
(dass der Partner immer einen Orgasmus spüren sollte, immer zur gleichen Zeit Lust
haben muss etc), an einer hormonellen Umstellung? Versuchen sie gemeinsam die Fragen
zu beantworten, was sie tun könnten, um wieder mehr Lust auf Intimität zu haben und
wieder Freude am Entdecken ihres Sexuallebens.
Bern, 1.2.2010 J. Gut, Psychotherapie Bern. Breitenrainstrasse 15, 3013 Bern